New Pay- Alter Hut

Um im Bild von Tobleis zu bleiben. Bei mir gibt’s ´nen paar schnelle Würfe, ohne Warm-up vorher, dafür locker flockig, wie ich hoffe.

Es wird diskutiert, wie wir – Führungskräfte – unsere Mitarbeiter*innen dazu bringen, eine gute Leistung zu erzielen oder auch, was uns dazu motiviert. Manche Bilder von Arbeit stammen dabei aus dem 20. Jahrhundert. Der Chef ist „Papa“ oder das Gehalt ist eher eine Art Schmerzensgeld für einen Job den sonst keiner machen will (Wer bekommt’s).

Ganz im Ernst. Wie viele Leben habt Ihr denn? Ich habe nur eines und werde keinen Job machen, auf den ich keine Lust habe. Ja, das ist ein riesen Privileg. Und wir können darüber diskutieren, welche Generationenungerechtigkeit dazu führt/e, dass ich dieses Privileg habe und andere nicht.

Ich investiere doch nicht einen Teil meiner Lebenszeit, in etwas, dass ich nicht möchte, um dabei möglichst viel Geld zu verdienen, damit ich dann zum Ausgleich einmal einen tollen Urlaub machen kann. Ich will keine Work-Life-Balance, bei der auf der einen Seite der Waage die Arbeit steht und auf der anderen Seite das Leben. Das soll schon zusammenpassen. Hier bin ich ganz bei Olaf Kapinski (Podcast: Work-Life-Bullshit).

Vielleicht kommt mir hier der Bildungs- und Sozialbereich entgegen. Für ein sechsstelliges Gehalt muss ich mehr als zwei Jahre arbeiten, auch wenn in meinem Team 15 Mitarbeiter*innen sind. So what? In dem Team sind Leute, die ihren Job gerne machen und die gemeinsam etwas bewegen wollen.

Wenn ein Kind krank ist, dann ist es eben krank und die jeweiligen Eltern bleiben zu Hause, dafür braucht es keinen unbezahlten Urlaub und keinen Schein vom Kinderarzt. Eltern haben in dem Moment genug Sorgen, da brauchen sie keine weiteren Formalitäten. Home-Office braucht keine Genehmigung, sondern eine Benachrichtigung im Team-Chat. In den Ferien können die Kinder mit ins Büro bzw. auf dem Gelände sein. Das „Resultat“? Die sieben neueingestellten Mitarbeiter*innen haben in der Summe neun Kita- und Grundschulkinder. Dafür braucht es kein Projekt der Familienförderung mit extra Stelle, sondern eine Führungskraft, die Familienfreundlichkeit vorlebt.

Bonuszahlungen und Anreize.

Zum Thema Bonussysteme ein Link zum wunderbaren Podcast von Olaf Kapinski „Bonussysteme oder zählen Sie noch tote Ratten?“. Welches Bild steckt eigentlich dahinter, wenn wir Mitarbeiter*innen mit Bonuszahlungen zu besseren Leistungen animieren wollen? Die Köche unserer Bildungsstätte kochen hervorragend, weil das ihr Anspruch ist und nicht, weil sie einen Bonus bekommen, wenn 87% der Gäste danach auf einem Touchpad „lecker war’s“ anklicken. Ich gehe, davon aus, dass jede*r in meinem Team ihr*sein Bestes gibt. Natürlich, bei der*dem Einen ist das etwas mehr und bei dem*der Anderen etwas weniger, aber ändert sich das durch Bonuszahlungen? Vielleicht brauchen mich die Mitarbeiter*innen viel mehr, wenn ein Projekt versemmelt wurde als wenn es prima gelaufen ist?

Das Denken, dass es immer mehr Leistung, Geld, etc. braucht, stammt aus einer kapitalistischen Idee des 19. und 20. Jahrhunderts. Vordenker*innen des 21. Jahrhunderts beschäftigen sich schon lange mit der Frage des Postwachstums. Es wäre blauäugig über Lohnsteigerungen zu reden, ohne dabei die endlichen Ressourcen der Erde im Blick zu haben. – „Das geht nicht in meinem Betrieb!“ „So kann nur einer aus dem Sozialbereich daher schwätzen!“

Möglich, aber es braucht etwas mehr Utopie. Es braucht Lohngerechtigkeit, gesellschaftliche Gerechtigkeit und zwar am besten bevor uns das ganze Ding um die Ohren fliegt. Lasst uns über eine flächendeckende 30-Stunden-Woche diskutieren, über die Auswirkungen von Grundeinkommen für alle Menschen und über die Frage, wofür wir das ganze Geld überhaupt ausgeben wollen.

Und bevor mir eine Themaverfehlung vorgeworfen wird: NewPay (zur Blogparade NewPay) ist für mich Projekte zu machen, bei denen am Ende die Teilnehmer*innen strahlende Augen haben und die Welt jedes Mal ein kleines bisschen gerechter wird. Mir doch wurscht, ob mein Jahresgehalt dabei nur fünfstellig ist oder nicht. Allerdings ist das irgendwie ein alter Hut.

Und wenn Ihr Mitarbeiter*innen motivieren wollt. Ja, schreibt zum Beispiel Karten. Die kann man in einem halben Basketball sammeln und bei der Weihnachtsfeier verteilen, dazu gibt es eine nette Dankesrede.

Ein Kommentar zu „New Pay- Alter Hut

  1. 87% „lecker war’s“ – da träumen andere von.
    Nicht steigern – nur halten und vor allem bewahren!
    Wenn es bereits perfekt ist, dann gibt es nichts mehr zu ändern nur immer wieder zu erreichen.

    Danke für den Pingback, der mich auf diesen Artikel aufmerksam gemacht hat.
    Der Beitrag bestätigt wieder, was ich immer sage. Es ist alles schon da – man muss es nur zu nutzen wissen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s